Lebensziel: „Märtyrer” werden?
Unser Leben als Märtyrer zu beenden, ist vermutlich für die meisten von uns Protestanten in der westlichen Welt ein schrecklicher, abstoßender Gedanke. In der Regel können wir uns nicht einmal vorstellen, dass Menschen in anderen Konfessionen, Religionen oder Regionen anders empfinden könnten. Zum einen ist es sicherlich das Leiden, vor dem wir zurückschrecken. Es gibt aber auch noch etwas anderes, das uns das Märtyrertum eher verdächtig erscheinen lässt: wir sehen eine radikale oder gar fanatische Einstellung damit verbunden.
I n einem Lexikon lautet die Erklärung für „Martyrium”: „unschuldiges Leiden um einer Überzeugung willen”. Für irgend eine Überzeugung sein Leben lassen? Ist nicht das Leben selber so kostbar und wertvoll, dass es in jedem Fall geschützt und bewahrt werden muss? Und sind nicht alle Überzeugungen zum einen Privatsache und zum anderen so oft mit Irrtümern verbunden, dass jemand als starrsinnig und verbohrt anzusehen ist, der sein Leben für solch eine Idee einsetzt?Aufgrund solcher Erwägungen schweigen wir zu vielem,
das wir im Inneren und im Gespräch mit Gleichgesinnten missbilligen. Brauchen wir deshalb nicht doch Menschen mit Mut zum Martyrium, die sich frei machen von der Angst vor dem Leiden und dadurch fähig werden, sich falschen und verderblichen Trends entgegenzustellen?
Jesus Christus - ein Märtyrer?
Ich denke es ist hilfreich, wenn wir auch hier in unserem Nachdenken bei Jesus Christus beginnen. War Jesus Christus ein Märtyrer? - In Offenbarung 3,14 bezeichnet er sich selbst als „der treue und wahrhaftige Zeuge” - und „Zeuge” heißt auf Griechisch „martys”. Fragen wir weiter, worin denn sein Zeugesein bestand, lesen wir in 1. Timotheus 6,13 die Aussage, dass er „vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt” (griechisch von: „martyrein”) habe. Wenn wir dann in den Evangelien suchen, was denn der Inhalt dieses Bekenntnisses vor dem römischen Statthalter war, finden wir eigentlich nur folgendes: Pilatus fragt Jesus: „Bist du der König der Juden?” und Jesus bestätigt das (z.B. Mt 27,11) - und das macht es Pilatus letztlich unmöglich, Jesus freizulassen (Joh 19,12).
Wurde Jesus zum Märtyrer seines Anspruchs, als König zu herrschen? Ich meine: Nein. Er hat nie versucht, irdische Macht an sich zu reißen. Sein gutes Bekenntnis, das er mit der Hingabe seines Lebens „bezeugt”, besteht darin, dass er sich zu seinem Volk bekennt. In seiner Treue hält er an denen fest, die ihn ablehnen und verwerfen. In seiner Liebe opfert er sein Leben für die Sünden seines Volkes (Mt 1,21). Er stirb nicht am Kreuz, weil er fanatisch an seinen Überzeugungen festhält, sondern weil er die Menschen seines Volkes - und die der ganzen „Heidenwelt” - liebt und sie retten will. Jesus Christus hat nicht das Martyrium gesucht, aber er war willig, den Kelch des Leidens aus der Hand seines Vaters anzunehmen (Mt 26,42).
Zeugen der Liebe
Märtyrertum hat ganz unterschiedliche Gesichter, weil es aus ganz verschiedenen Beweggründen entspringt: Jemand kann sein eigenes Leben und das anderer Menschen opfern, um unbedingt etwas durchzusetzen. Oder jemand kann an seinen Überzeugungen festhalten, auch wenn es ihn das Leben kostet. Oder jemand kann aus Liebe bereit sein, das eigene Leben ganz einzusetzen, damit Menschen gerettet werden.
Wie Gott es beurteilt, wenn jemand sein Leben einsetzt, aber ohne Liebe, sehen wir deutlich in der Aussage des Apostels Paulus: „und wenn ich meinen Leib hingebe, dass ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.” (1. Kor 13,3)
Lebensziel: „Märtyrer” werden? Ich wünsche mir und allen Mitchristen, dass wir immer mehr Zeugen der Liebe und Wahrheit unseres Herrn Jesus Christus werden - und dass wir uns auch durch drohendes Leiden nicht davon abschrecken lassen.
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