
- Türkischer Saz-Spieler
... auf Umwegen
Wo werden eigentlich in der Bibel „Anbetung” und „Mission” (= Sendung) im selben Textzusammenhang erwähnt? Im Gespräch über diese Frage nannte jemand die Berufung Jesajas (nachzulesen in Jesaja 6,1-8). Hier führt Anbetung zur Mission - aber über gewisse „Umwege”.
J esaja sah Gott in Seiner unfassbaren Größe auf Seinem Thron: Die Säume (seines Mantels) füllten bereits den Tempel. Serafim riefen einander zu und lobten den HERRN in Seiner Heiligkeit und Herrlichkeit. Jesaja wurde Zeuge der himmlischen Anbetung - aber er wurde nicht einfach mit hinein genommen und „mitgerissen”...
Nicht erhebend, sondern niederschmetternd
Was er von Gott sah und hörte, löste bei ihm Entsetzen aus: ein tiefes Erschrecken darüber, dass er vor diesem Gott nicht bestehen konnte. In Seinem Licht erkannte er, wie sehr er und die Menschen seines Volkes durch die Sünde beschmutzt waren: „Ein Mann unreiner Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich” (Vers 5). Was ihn bisher in seinem Alltag wohl kaum bekümmert hatte, wurde ihm nun zu einer vernichtenden Anklage. Er versuchte auch gar nicht, seine Schuld abzuleugnen oder sich zu verteidigen. In der Begegnung mit dem lebendigen Gott blieb ihm nur das offene Bekenntnis seiner Sünde und der erschrockene Aufschrei wegen seines hoffnungslosen Verlorenseins.
Nicht vernichtend, sondern befreiend
Doch dann erlebte er nicht die Vernichtung, die er befürchtete - und die ihm als die gerechte Folge seiner Schuld erschien. Einer der Serafim flog zu ihm mit einer glühenden Kohle, die er vom Altar genommen hatte, berührte damit Jesajas Mund und sprach ihm die Sühnung (wörtlich: Bedeckung) seiner Schuld zu.
Der Altar war zur Zeit des Alten Testaments ja der Ort, an dem Tiere geopfert wurden, um durch ihr Blut Sühne zu erwirken für die Menschen (3.Mose 17,11), die vor Gott schuldig geworden waren und damit ihr Leben verwirkt hatten. Damit ist er ein Hinweis auf den, der am Kreuz sein Leben hingegeben hat, um uns zu befreien von unserer Schuld, der Herrschaft der Sünde und der Macht des Todes. - Sühne bewirkt ein Doppeltes: Reinigung von Sünde und Rettung der Person vor dem Tod (als der Folge der Sünde). Durch die Berührung mit der Kohle vom Altar und durch die Worte des Engels konnte Jesaja wissen, dass ihm von Gott her Vergebung und neues Leben geschenkt worden waren.
Nicht erzwungen, aber unausweichlich
Nun hörte Jesaja die Stimme Gottes selber: „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?” (Vers 8) Die zweite Frage erweckt den Eindruck, als habe Gott, der doch einfach befehlen könnte, für Seine „Mission” jemanden gesucht, der sich freiwillig meldet. Und Jesaja meldete sich freiwillig: „Hier bin ich, sende mich!”
Zugleich klingt diese Antwort, als habe Jesaja eigentlich gar keine andere Wahl gehabt: als sei es unmöglich gewesen, auf die Frage des großen, heiligen, herrlichen „Königs” (Vers 5) gar nicht oder etwa verneinend zu antworten - und als sei es für Jesaja doppelt unmöglich gewesen, sich dem nicht sofort und völlig zur Verfügung zu stellen, der ihn von seiner Schuld gereinigt und ihm sein Leben neu geschenkt hatte.
In diesen Versen ist nicht die Rede davon, dass Jesaja selber Gott mit Worten angebetet habe. Aber die Begegnung mit dem HERRN der Heerscharen und das Geschenk der Vergebung führten ihn dazu, sich Ihm ganz hinzugeben und sich von Ihm senden zu lassen. Hier sieht es so aus, als äußere sich Jesajas „Anbetung” in seinem Gehorsam gegenüber dem Ruf Gottes und in seiner Bereitschaft, „für Gott zu gehen” - und das ist gewiss eine angemessene Art von Anbetung. - Jesajas Weg führte von der Begegnung mit Gott und einem Einblick in die himmlische Anbetung zur Erkenntnis seiner Schuld, und über das Geschenk der Reinigung zur Bereitschaft, sich Gott ganz zur Verfügung zu stellen und sich von Ihm senden zu lassen.

- Türkisches Saz-Instrument
Gott arbeitet nicht nach einem festgelegten Schema. Aber auch im Neuen Testament finden wir Ähnliches: Angesichts eines Wunders Jesu, das er miterlebte, erkannte Petrus seine Sündhaftigkeit. Mit einer Geste der Anbetung - er fiel zu Jesu Füßen nieder - bekannte er seine Schuld (Lk 5,8). Daraufhin sprach Jesus ihm mit den Worten: ”Fürchte dich nicht!” die Vergebung zu und berief ihn in seinen Dienst: „Von nun an wirst du Menschen fangen.” (Vers 10)
Nicht Anbetung ohne Mission, und nicht Mission ohne Anbetung
Anbetung und Mission entspringen aus derselben Quelle. Echte Anbetung und wahre Mission haben ihre Wurzel immer in der Begegnung mit dem lebendigen Gott. Und eine persönliche Begegnung mit dem lebendigen Gott wird in irgendeiner Weise immer zu einer Antwort in zweifacher Richtung führen: Gott anzubeten und von Ihm sich zu den Menschen senden zu lassen.
Jemand, der „missionarisch aktiv” ist, Menschen das Evangelium weitersagt, damit möglichst viele gerettet werden, und dabei keine Zeit mehr findet, Gott zu begegnen und Ihn anzubeten, gerät in die Gefahr, sehr bald „auszubrennen” oder allmählich eine verzerrte Botschaft zu verkündigen.
Andererseits scheint es mir auf Dauer unmöglich, den Gott, der in Jesus Christus Mensch („Fleisch”) geworden ist, um sich uns zu offenbaren, und der so viel investiert hat, um Sünder zu retten, in Wahrheit anzubeten, ohne auf irgend eine Art daran mitzuarbeiten, dass die von Gott geliebten Menschen diese Botschaft auch wirklich hören können.
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