Malatya-Mordprozess auch nach neun Jahren nicht zu Ende

Christen in der Türkei weiter unter Druck

Der Malatya-Mordprozess ist auch nach neun Jahren noch nicht zu Ende. Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in ihrem Schlussplädoyer den Vorwurf des Terrors und der Bandenkriminalität fallen gelassen hat. Gegenüber BQ (Bonner Querschnitt) bemerkte dazu Wolfgang Häde, Schwager von Necati Aydın, einem der Opfer: „Die neusten Entwicklungen bestärken uns in unserer Überzeugung, dass letztliche Gerechtigkeit nur von unserem Gott zu erwarten ist.“

 

Die „Vereinigung Protestantischer Kirchen“ in der Türkei schreibt in ihrem „Bericht über Menschenrechtsverletzungen – 2015“: „Da sich der Prozess hinzieht, befürchtet die evangelische Gemeinschaft, dass der Fall ergebnislos enden wird. Das Fehlen eines Urteils in solch einem Fall, so die berechtigte Sorge der protestantischen Gemeinschaft, kann dazu führen, dass ähnliche Fälle passieren könnten und andere Täter ermutigt werden weiterzumachen. Wegen der finanziellen Bürde, die dieser Prozess mit sich bringt, erwarten sowohl die Familien als auch die evangelische Gemeinschaft, dass der Fall bald abgeschlossen wird.“

 

Am 18. April 2007 hatten fünf junge Männer in der osttürkischen Provinzhauptstadt Malatya drei Christen grausam ermordet und wurden auf frischer Tat von der Polizei festgenommen. Necati Aydın, Uğur Yüksel und der Deutsche Tilmann Geske hatten sich in den Räumen des evangelischen Zirve-Verlages mit ein paar jungen Männern, die Interesse am christlichen Glauben bekundet hatten, über einige Wochen hinweg zum Bibelstudium getroffen. Dies war offenbar nur ein Vorwand, um sich das Vertrauen der späteren Opfer zu erschleichen. Diese drei Christen sind die ersten der evangelischen Kirche in der Türkei, die für ihren Glauben mit ihrem Leben bezahlt haben.

 

Auch in diesem Jahr trafen sich wieder Christen am 18. April zu Gedenkfeiern, unter anderem am Grab von Necati Aydın in Izmir. Diese Feiern sollen die Erinnerung an die drei Märtyrer wachhalten und öffentlich bezeugen, dass die Christen in der Türkei an ihrem Glauben festhalten.

(Quelle: Bonner Querschnitte 406 – Nr. 11/2016, 19.04.2016)

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