Das liebe Geld

Wie sollen sich Christen in der Arbeit mit Flüchtlingen verhalten, wenn das Thema Geld angesprochen wird?

 

Pastor Eddy (Bibelschulabsolvent aus dem Libanon) betreut zwei arabischsprachige Gruppen in Bremen und in Bad Segeberg. Nach den Gottesdiensten unterhält er sich bei Kaffee und Kuchen. Jeden Freitag nach der Bibelstunde wird arabisch gegessen. Viele Menschen kommen mit Traumata und sie benötigen Seelsorge. Dafür möchte er sich besonders Zeit nehmen. In Syrien sieht er keine Chance, den Menschen zu helfen, doch hier kann er ihnen Gottes Liebe zeigen.

 

Christen in Deutschland, die tiefere Glaubensgespräche mit Syrern führen möchten, empfiehlt er: „Wir machen kleine Gruppen, die nicht offen für alle sind. Der einzelne Kontakt ist wichtig. In der Gruppe sind viele schüchtern und sagen aus Furcht nicht das, was sie wirklich bewegt. Unsere Mission ist nicht einfach, es sind viele Wölfe (Verräter, Anm. d. Red.) in den Gruppen. Der Fehler der deutschen Christen ist, dass sie Brot ohne Jesus geben. Sie helfen viel, aber sie sind wenig evangelistisch. Jesus gibt beides. Man sollte nicht Brot geben ohne Jesus.“ Pastor Eddy fährt fort: „Ich gebe kein Geld, nur wenn es sein muss und ich sicher bin. Viele Syrer sind reiche Leute. Für die Schlepper mussten sie früher 10.000 Euro zahlen und jetzt kostet es auch noch 2.000 Euro. Ich gebe selten Geld an die Leute. Wenn zum Beispiel der Mann hier lebt und die Kinder woanders, kann das nötig sein. Aber ich selbst habe sowieso nicht so viel. Ich kann nicht jedem geben. Außerdem investiere ich lieber mein Geld in den Dienst. Zum Beispiel kostet es einiges, jeden Freitag Essen vorzubereiten.“

 

Eine Antwort von Abiel: Abiel ist seit einigen Monaten in Deutschland. Für die Flucht aus dem Sudan musste er viel Geld investieren. Er meinte zu der Thematik:

„Wir sollten dieses Thema nicht pauschalisieren. Natürlich haben Flüchtlinge viel für ihre Flucht bezahlt, manche von ihnen haben fast mit ihrem Leben bezahlt und mit dem Leben ihrer Freunde. Einige haben ihre Grundstücke und all ihre Besitztümer verkauft, um aus der Not ihres Landes zu fliehen. Einige mussten Geld leihen von ihren Nachbarn. Sie baten die entferntesten Verwandten auf der ganzen Welt um finanzielle Hilfe, weil es so gefährlich für sie wurde und sie dringend das Land verlassen mussten. Wenn wir nur die Geschichten dieser Menschen hören könnten… Auch wenn die Flucht teuer war, heißt es noch lange nicht, dass Flüchtlinge deshalb wohlhabend sind. Außerdem sind wir als Christen verpflichtet, ihnen das Beste zu geben. Jesus macht das klar: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35)“

 

Eine Antwort von Christian M.: Er arbeitet im Rathaus in einer Kleinstadt in NRW. Er ist verantwortlich für die Unterbringung der Flüchtlinge. Persönlich setzt er sich besonders dafür ein, dass sie von Jesus hören. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung unter Flüchtlingen verschiedener Länder, fragen wir ihn: „Sollten wir als Christen Flüchtlingen Geld geben?“

 

„Es kommt natürlich auf die Situation an. Grundsätzlich sind die meisten Flüchtlinge in Deutschland Asylbewerber und in einem Asylverfahren oder schon weiter, indem sie eine Anerkennung erhalten haben. In beiden Fällen erhalten sie Geld und Sachleistungen, die vom Staat finanziert werden (also von unseren bereits gezahlten Steuern). Das allgemeine Niveau liegt etwas unterhalb des „Hartz IV-Levels“. Sind sie (noch) keine Asylbewerber, dann halten sie sich wahrscheinlich (noch) illegal auf und sollten zügig beim nächsten BAMF einen Asylantrag stellen.

 

In den allermeisten Fällen ist ein Leben ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung seitens Dritter möglich. Nicht einfach – aber möglich. Sicherlich würde ich den Grund erfragen, vielleicht kann mich der entsprechende Flüchtling ja überzeugen. In der Tat habe ich Flüchtlingen schon einmal Geld geliehen, unabhängig von ihrer Glaubenseinstellung. Diese Situationen sind in zehnjähriger Flüchtlingsarbeit an einer Hand abzählbar. In der Regel lehne ich persönlich derartige Gesuche ab und bin in fast allen Fällen, im Hinblick auf den späteren Verlauf, in meiner Entscheidung bestätigt worden.“

 

Orientierung 2016-02; 01.07.2016
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