Was anhaltendes Gebet bewirkt

Ali aus dem Iran berichtet, wie er in Deutschland Gottes Plan für sein Leben entdeckt und sich inzwischen als Übersetzer und Christ einsetzt. Ali lebt mit seiner deutschen Frau und kleinen Tochter im Rhein-Main-Gebiet.

 

Als ältester Sohn unter mehreren Geschwistern wurde ich wie ein König verwöhnt. Eines Tages sagte meine Mutter: „Was haben wir gegen Allah gemacht, dass unser Sohn nicht normal ist?“ Dann kam heraus: „Ja, diese englischen Bücher haben ihn und seine Seele ganz von uns weggenommen.“

 

Dann musste ich Ende 2000 den Iran verlassen, hatte aber keinen Pass und ging illegal für vier Wochen in die Türkei. Dort hörte ich etwas über den christlichen Glauben. Meine Mutter ist Islam- und Koranlehrerin für Frauen, mein Vater Angestellter, LKW-Fahrer, und ist sehr tolerant. Meine Mutter dagegen nicht. Weil ich nicht gebetet habe (Anm.d.Red.: rituell 5x täglich), war sie sehr enttäuscht. Da ich Ali heiße, erinnerte mich meine Mutter, dass der erste Imam in der schiitischen Religion auch Ali hieß. Ich sollte wie dieser Ali sein.

 

Ich kam nach Deutschland, konnte kein Deutsch sprechen. Was sollte ich hier machen? Im ersten Jahr durfte man hier nicht arbeiten! Heute ist es ja anders. Ich versuchte die Sprache zu lernen. Um schneller voran zu kommen, versuchte ich, Kontakte mit Menschen zu knüpfen. Im Rheingau lernte ich mein erstes Wort: Ham Ham. Doch der Sozialarbeiter erklärte mir, dass dies ein Wort für Essen in Kindersprache sei.

 

Nach einem Jahr durfte ich bei McDonalds arbeiten. Mein Deutsch war noch schlecht. Ich war enttäuscht, denn ich hatte vorher studiert, bereits als Lehrer und Übersetzer gearbeitet und jetzt diese Arbeit. Fast jeden Tag musste ich meine Eltern anrufen – in unserer Kultur ist das so. Meine Mutter sagte: „Das hast du davon. Allah bestraft dich jetzt“. Ein Mann an meiner Arbeitsstelle sagte mir im Gespräch: „Gott hat einen Plan für dich“.
Khoda, den iranischen Begriff für Gott kannte ich. „Ich brauche deinen Gott nicht. Welchen Plan soll er denn haben?“ war meine Antwort. Er sagte noch: „Ich bete für dich.“ Ich entgegnete: „Ach, meine Mutter hat lange für mich gebetet!“

 

Meine Situation verschlechterte sich, so dass ich schließlich jede Woche wegen Verlängerung meiner Duldung zur Ausländerbehörde musste. Was sollte ich tun? Eines Tages fuhr ich in die nächste größere Stadt und dort fiel mir das Hinweisschild „Persisches Christliches Zentrum“ auf. Ich dachte: „Vielleicht haben sie einen Tipp für mich, können mir helfen.“ Als ich eintrat, fragte ich mich, was die Gruppe da in der Ecke machte. Sie beteten. Der Mann, der mich angesprochen hatte, war auch da. Als er mich sah, pries er Gott und sagte laut: „Halleluja, Gott hat Ali zurückgebracht. Wir haben hier für dich jede Woche zweimal gebetet – und zu Hause auch.“ Als Akademiker kannte ich das Christentum als eine Religion. Doch nun entdeckte ich diese Beziehung zu Gott wie zwischen Kind und Vater.

 

Was ich erlebt habe, möchte ich weitergeben. Das ist überhaupt nicht einfach, wenn wir mit anderen Menschen über Gott sprechen. Zweimal wurde ich angegriffen, einmal ist meine Nase gebrochen. Gott gibt Weisheit und Kraft. 2004 traf ich in dieser Gemeinde eine Mitarbeiterin eines christlichen Werkes. Für dieses Werk habe ich danach etwa für drei Jahre ehrenamtlich Übersetzungen gemacht. Innerhalb kurzer Zeit bekam ich dann mein Visum und eine Arbeitserlaubnis. Das war für mich ein Wunder. Mein Sachbearbeiter fragte mich erstaunt: „Hast du jemand in der Regierung?“ Ich antwortete: „Nein, noch höher!“ Inzwischen habe ich eine volle Anstellung in einem christlichen Werk und kann meinen Landsleuten helfen, auch diese persönliche Beziehung zu Gott zu finden.

 

Orientierung 2016-02; 01.07.2016
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