Schirk

Wortbedeutung und Definition

Der Begriff Schirk kommt aus der arabischen Wurzel „sch-r-k“ und bedeutet „teilnehmen, Anteil haben“. Im Islam ist mit diesem Begriff die „Beigesellung“, dem einen wahren Gott jemanden oder etwas zur Seite zu stellen, gemeint wie zum Beispiel Götzendienst und Polytheismus. Der orthodoxe Islam hat dies ausgeweitet auf jede gottesdienstliche Handlung, die nicht an Allah gerichtet ist. In dem religiösen Konzept Mohammeds steht Schirk als größte Sünde dem Tauhid gegenüber, dem Glauben an die Einheit Gottes. Schirk wird im Koran als eine Sünde bezeichnet, die Allah niemals vergibt.

 

„Allah vergibt nicht, dass man ihm (andere Götter) beigesellt. Was darunter liegt, vergibt er, wem er (es vergeben) will. Wenn einer (dem einen) Allah (andere Götter) beigesellt, hat er (damit) eine gewaltige Sünde ausgeheckt.“ Sure 4,48 (vgl. Sure 4,116).

 

Kampf gegen Götzendiener

Zu Beginn seines Wirkens verstand Mohammed unter Götzendienern (den „Muschrikun“) besonders die altarabischen Heiden. Erst später, als sich Christen weigerten den Islam anzunehmen, bezeichnete er auch ihren Glauben als Götzendienst (vgl. Sure 2,116; 19,88-89). Zur Zeit Mohammeds hingen vermutlich auch Bilder von Jesus in der Kaaba.

 

Bereits in seiner frühen Zeit in Mekka wünschte Mohammed sich offensichtlich, die Götzenbilder an der Kaaba zu vernichten. Erst nach seiner Übernahme Mekkas mit seinen Truppen konnte er seinen Wunsch verwirklichen. Hierbei sah er sich wiederum in der Tradition Abrahams. Laut Koran soll Abraham genau wie Mohammed gegen den Willen seines Vaters die Götzenbilder zerstört haben (Sure 6,74, 21,52–58, 37,83–97). Übernommen hat Mohammed diese Geschichte nicht von der Bibel, sondern von rabbinischen Erzählungen (Bereschit Rabba 38,13-19).

 

Überlieferungen und Schirk

Später als der Koran wurden die Hadithen verfasst. In diesen Überlieferungen werden, anders als im Koran, explizit unterschiedliche Arten von Schirk erwähnt:

 

Mahmûd ibn Lubaid sagte auch: „Der Prophet kam heraus und verkündete: ‚O Leute, hütet euch vor dem verborgenen Schirk!’ Die Leute fragten: ‚O Gesandter Allahs, was ist der verborgene Schirk?’ Er antwortete: ‚Wenn ein Mann zum Gebet aufsteht und danach strebt, sein Gebet auf die beste Weise zu verrichten, nur weil die Leute ihm dabei zusehen,

 

so ist dies der verborgene Schirk.“ (Sahîh-Werk des Ibn Chuzaima; authentischer Hadîth)

 

In anderen Hadithen wird der „verborgene” Schirk (Riyaa) ähnlich wie der „kleine“ Schirk beschrieben. Gegenüber diesen Arten von Schirk steht der „große“ Schirk (Schirk Akbar), den Polytheisten und Götzendiener begehen.

 

Die islamische Rechtsprechung hat im Laufe der Zeit weitere Unterteilungen festgesetzt. Das Wort Riyaa (Heuchelei, Augendienerei) kommt von „ra’aa“, was „betrachten, anschauen“ bedeutet. Die Frage dahinter lautet: Wie kann ein Mensch es schaffen, jede gottesdienstliche Handlung ausschließlich für Allah zu tun? Gefährten Mohammeds warnen, dass diese Art von Schirk unscheinbarer sei als eine „schwarze Ameise, die auf einem schwarzen Stein in der Mitte einer mondlosen Nacht schleiche“ (von Ibn Abee Haatim, zitiert in Tayseer al-‘Azeez al-Hameed, S. 587). Doch niemand hat stets reine Absichten und interessanterweise greifen einige Hadithen diese Hoffnungslosigkeit auf.

 

Die ersten drei Personen, die ins Höllenfeuer kommen, sind der Gelehrte (der für seine eigene Ehre unterrichtete), der Märtyrer (der für Ruhm kämpfte) und die Person die spendet (damit die Leute gut über sie reden) (vgl. 40 Hadith Qudsi; Kapitel 1, Nummer 6).

 

Deutlich wird, wie sehr die Furcht den Glauben Mohammeds geprägt hat. Vielleicht ist es aber auch die Furcht davor, dass seine Anhänger den Glauben nur vorspielen (vgl. Sure 2,8.11-15). Vielleicht versuchte er sie durch diese Geschichten stärker an den Islam zu binden?

 

Gebete zum Schutz vor Heuchelei

Jedenfalls hat Mohammed zum Schutz vor Riyaa („Heuchelei“) spezielle Bittgebete mitgegeben, die den gesamten Lebensalltag durchdringen. Natürlich können auch diese Bittgebete geheuchelt vorgetragen werden. In den Hadithen finden sich vorformulierte Gebete für die Zeit des Essens, des Trinkens, des Schlafens, vor dem Geschlechtsverkehr und sogar vor dem Gang zur Toilette.

 

Vergleich zur Bibel

Wenn wir den islamischen Schirk mit dem Götzendienst (und der Heuchelei) in der Bibel vergleichen, finden wir Ähnlichkeiten und Unterschiede. In Jesaja betont Gott, dass er seine Ehre mit niemandem teilt (Jesaja 48,11) und doch sollen alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (vgl. Joh 5,22-23). Die Beziehung zwischen Vater und Sohn, diese Einheit wollte Mohammed nicht annehmen.

 

Die Warnung vor Heuchelei finden wir wiederum auch bei den Aussagen von Jesus. In Matthäus 5,20 steht: „Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.“ Jesus kritisiert sie dafür, dass sie beten und Almosen geben, um bei den Menschen anerkannt zu werden. Auch Christen werden also gewarnt, den Lohn nicht bei Menschen zu suchen. Letztlich hat aber allein Jesus diesen Lebensstil vollkommen vorgelebt (vgl. Joh 8,50). Am Ende werden wir dadurch „gerechtfertigt“, dass wir unsere Schuld (auch Heuchelei) vor Gott eingestehen, unsere Abhängigkeit von ihm bezeugen und zu ihm im Namen von Jesus Christus umkehren (Lukas 18,9-14).

 

Wenn nun ein Muslim fragt, ob wir nicht Angst vor dem Gericht haben, so können wir ihm aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 4,17-18 zitieren:

„Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat es mit Strafe zu tun. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.“

 

Orientierung 2016-02; 01.08.2016
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