Hadsch – die muslimische Pilgerreise nach Mekka

Die Hadsch ist die fünftägige islamische Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Sie ist die fünfte Säule des Islam und findet durch den Mondkalender verschoben jährlich zu einer anderen Zeit statt. Jeder freie volljährige Muslim (Frauen nur in Begleitung), der es sich leisten kann, ist verpflichtet, mindestens einmal im Leben nach Mekka zu pilgern (Sure 3,97). Eine solche Person erhält den Ehrentitel „Hadschi„. Die kleine Wallfahrt, die „Umra“, die zu jeder Jahreszeit möglich ist, stellt eine verkürzte Version der Hadsch dar, kann sie aber nicht ersetzen. Oft wird die Umra mit der Hadsch kombiniert. Von Saudi-Arabien werden für jedes Land Pilgerkontingente zugeordnet, damit die Teilnehmer (ca. 2 Millionen) zu bewältigen sind. Muslime erleben auf der Hadsch ein starkes Gemeinschaftsgefühl mit Muslimen aus allen Völkern und Rassen.

 

Geschichte und religiöser Hintergrund der Hadsch

Bereits vor der islamischen Zeit war die Hadsch ein heidnischer Brauch, bei dem eine große Anzahl von Göttern, besonders der Gestirne verehrt wurden, unter anderem der Mondgott Hubal mit dem schwarzen Stein. Dieser Stein ist heute weltweit die Gebetsorientierung für alle Muslime. Ihn zu küssen war für bedeutende Mitkämpfer Mohammeds, z. B. Omar, ein großes Problem. Sie ließen sich nur durch eine weitere Offenbarung Mohammeds überzeugen. Der schwarze Stein befindet sich in der südlichen Ecke der leeren „Kaaba“ (arab. für „Würfel“), welche eine Seitenlänge von ca. 15 Metern aufweist und mit einem goldbestickten schwarzen Tuch jährlich neu eingehüllt wird. Nach islamischer Auffassung soll bereits Adam die Kaaba gebaut haben. Während Noahs Flut soll sie zerstört worden sein. Anschließend habe Abraham mit seinem Sohn Ismael sie nach göttlicher Offenbarung wieder aufgebaut („Als Abraham und Ismael den Grund zu diesem Hause legten, da flehten sie: O Herr, nimm es gnädig von uns an. Zeige uns unsere heiligen Gebräuche“, Sure 2,127-128). Auch das Opfern eines Tieres während der Hadsch geschieht in Andenken an Abraham, der seinen Sohn verschonte (Sure 37,107). Mohammed soll die Hadsch nach erneutem Missbrauch wieder richtig eingesetzt haben.

 

Ab 400 n.Chr. lässt sich der Kaaba-Bau historisch belegen. Die Kaaba wurde mehrfach in der Geschichte durch Fluten und Angriffe beschädigt. Die ismaelitische Sekte der Qaramitah (Karmaten) raubte 930 n.Chr. sogar den schwarzen Stein aus Mekka, spaltete ihn in mehrere Teile und verübte unter den Pilgern ein Massaker.

 

Ablauf der Hadsch

Bei dem sehr komplizierten Ritual kann in der Praxis viel falsch gemacht werden und damit ist die Hadsch ungültig und muss wiederholt werden. So müssen bestimmte arabische Gebete und Lobpreis an bestimmten Stellen dargebracht und die Geschwindigkeit des Gehens richtig angepasst werden.

 

Durch seine Absichtserklärung, eine Ganzkörperwäsche, spezielle Kleidung und Haarschnitt tritt der Pilger an einem der vorherbestimmten Orte (miqat) in Mekka in den Weihezustand (ihram). Danach darf er z. B. nicht mehr streiten oder sexuellen Verkehr haben (Sure 2,197).

 

Es folgt beginnend am schwarzen Stein die siebenmalige Umrundung (tawaf) der Kaaba gegen den Uhrzeigersinn. Die ersten drei Umrundungen sollen im Laufschritt, die letzten vier gehend zurückgelegt werden. Während jeder Runde soll der schwarze Stein (hadschr-el-aswad) geküsst, berührt oder auf ihn gezeigt werden. Danach beten die Pilger an der Stelle Abrahams (maqam Ibrahim), die sich neben dem Kaaba-Würfel befindet.

 

Am gleichen Tag schließt sich ein siebenmaliger Lauf (say) zwischen den Hügeln Safa und Marwa an, nur einige hundert Meter entfernt. Der Lauf bezieht sich nach Mohammeds Umdeutung eines heidnischen Brauchs nun auf Hagar und Ismael (Sure 2, 158), die auf ihrer verzweifelten Suche nach Wasser siebenmal an dieser Stelle hin und her geirrt sein sollen. Daraufhin fanden sie durch den Engel das Wasser einige Hundert Meter entfernt in der Quelle Zamzam (biblische Parallele 1.Mose 21,17-19), die ein besonderes Segenswasser hervorbringen soll. Mit dem Lauf endet die kleine Wallfahrt, die Umra. Es folgt die Eröffnungspredigt für die eigentliche Hadsch. Noch am gleichen Tag ziehen die Pilger zum Ort „Mina“ und übernachten dort. Am nächsten, dem 8. Tag des Monats „Dhu al-hidscha„ beginnt die eigentliche Hadsch.

 

Am 9. Tag d. M. wandern die Pilger in Gruppen von Mina zum Berg „Arafat“, dem wichtigsten Teil der Pilgerfahrt. Hier, in der Ebene vor dem Berg, hören die Pilger eine zweiteilige Predigt, die an die Abschiedspredigt Mohammeds kurz vor seinem Tod erinnern soll. Am Abend geht es zurück, Richtung Mekka. Im Ort „Muzdalifa“ wird übernachtet.

 

Am 10. Tag d. M. soll der Pilger sobald wie möglich nach Mina kommen. Auf diesem Weg soll er 49 bzw. 70 Kieselsteine aufnehmen. Sobald er in Mina ankommt, wirft er sieben Steine auf eine bestimmte der drei verschieden großen Steinsäulen. Das „Steinewerfen“ repräsentiert die Handlung Abrahams, der mit Steinwürfen den Teufel in die Flucht trieb, als er ihn versuchte, seinen Sohn Ismael nicht zu opfern (biblisch Isaak). Anschließend sollen die Opfertiere in Mina geschlachtet werden. Dies ist das höchste Fest im Islam und wird in der ganzen Welt begangen. Es folgt die Rückkehr nach Mekka, um weitere sieben Runden um die Kaaba und den Lauf zwischen Safa und Marwa zu vollziehen. Noch am 10. d. M. kehren die Pilger nach Mina zurück, wo sie zwei oder drei Tage verbringen und täglich jeweils sieben Kieselsteine auf jede der drei Steinsäulen werfen.

 

Am 12. oder 13. Tag d. M. kehren die Pilger noch ein letztes Mal nach Mekka zurück und machen eine einzige Pflicht-Runde um die Kaaba. Jetzt sollte der Muslim Wasser vom Brunnen Zamzam trinken, der sich direkt neben der Kaaba befindet, und um Vergebung bitten. Zum Ende der Hadsch wird der Besuch von Mohammeds Grab in Medina (330 km entfernt) empfohlen.

 

Falls die Hadsch abgebrochen wird, muss ein Tieropfer dargebracht (Sure 2,196) und diese im darauf folgenden Jahr wiederholt werden. Für Kranke und Verstorbene können andere Personen die Hadsch übernehmen.

 

Beurteilung aus christlicher Sicht

Die Rituale der Hadsch sind zum Großteil identisch mit dem Götzendienst der vorislamischen Zeit. Deshalb erwecken sie im Pilger Aberglauben, wie vielfach zu beobachten ist. Bereits die verschiedenen Stämme der heidnischen Araber vor Mohammed umkreisten die Kaaba mit dem schwarzen Stein siebenmal und küssten ihn. Sie rannten zwischen den zwei Götzen Isaf und Naila auf den Hügeln Safa und Marwa hin und her. Deshalb hatten sich die ersten Nachfolger Mohammeds anfänglich auch geweigert, weiterhin zwischen den Hügeln hin und her zu rennen. Klärend sagt Gottes Wort dazu: „…Wer solchen Forderungen nachkommt, folgt damit lediglich den Geboten und Lehren von Menschen. Zugegeben, es handelt sich um eine Frömmigkeit, die den Anschein besonderer Weisheit hat: dieser selbstgewählte Gottesdienst, diese Demut, diese Schonungslosigkeit gegenüber dem eigenen Körper! Doch das alles ist ohne jeden Wert und dient nur dazu, das menschliche Geltungsbedürfnis zu befriedigen.“ (Kol 2,22-23).

 

Muslime sind oft deshalb so begierig darauf, die Hadsch zu machen, weil sie Sündenvergebung verspricht. Laut Hadith soll ein Pilger in Bezug auf die Sünde nach der Hadsch so rein sein wie ein „neugeborenes Kind“ (Sahih Al-Buchari 2.596). Ihm wird das Paradies versprochen. Doch was passiert nach der Hadsch, wenn er wieder sündigt? Es handelt sich um eine sehr zweifelhafte Sicherheit, die auf menschlichen Werken beruht.

 

Muslime opfern viel für die Hadsch. Die Bibel sagt uns dazu: „Wenn ich meinen ganzen Besitz an die Armen verteile, wenn ich sogar bereit bin, mein Leben zu opfern und mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts.“ (1.Kor 13,3). Wie aber sollen sie lieben, wenn sie den nicht kennen, der seine Liebe durch Jesus Christus und dessen Kreuzestod zur sicheren Vergebung unserer Sünden unter Beweis gestellt hat?

 

Orientierung 2004-03; 15.06.2004

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